ein zweites mal


die schnellen antworten haben angst
der selben frage
ein zweites mal zu begegnen
aus verquollenen lippen
pfropfen im ohr dunkel abhorchend
auf verrat das verspätete jahr wird
die zähne blecken frisst
die worte vom teller
eine angst
keine angst
wenn der fragende
seinen stuhl zurechtrückt



das zweischneidige messer der sprache, behutsam angesetzt oder mit aller kraft unter die haut getrieben, mitten ins fleisch, ein vorsichtiger schnitt oder ein stich, dringt in die frucht. sie ist widerständig, die frucht, widerspenstig, gibt sich nicht einfach preis, frucht, die den schein wahren möchte einer polierten oberfläche oder mit ihren flecken und runzeln sich des zugriffs erwehren möchte, des ein- und durchdringens bis zum kern, zu dem, was der fall ist.

schreiben ist dies, den kern bloßlegen, vordringen bis zum kern, bis zur braunen bitternis oder dem keim einer zukunft, die sich erhoffen, ersehnen, doch nicht erzwingen lässt.

und: die sprache treibt ihr messer in das herz des autors, fordert alles, haut und fleisch und den kern der existenz, ohne gewährt des gelingens. der stich oder schnitt in die eigene hand ist möglich. ohne dies risiko gibt es die wörter nicht, nur phrasen, eine unversehrte haut von früchten, die niemand pflückt.


michael leputsch